09.03.2026

Infrastruktur-Entscheidungen für moderne Broadcast-Workflows 

Warum es keine pauschal richtige Antwort gibt – und warum fundierte Beratung entscheidend ist. Infrastruktur-Entscheidungen sind wichtig. Und sie scheiden die Geister. Denn sie haben in der heutigen Zeit nicht nur eine technologische Dimension, sondern oft auch eine politische und damit nicht selten auch eine emotionale.

Ob On-Premises, hybrid oder Cloud, und wenn ja Cloud, dann welche – Die Frage nach der richtigen Architektur bewegt zu Recht. Denn die Entscheidungen sind strategisch, langfristig wirksam und sie haben unmittelbare Auswirkungen auf Betrieb, Kosten, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit von Media-Workflows.

Nach über 20 Jahren Markterfahrung und hunderten von Projekten ist eines klar: Es gibt keine universell richtige Lösung. Die richtige Infrastruktur-Strategie ergibt sich immer aus der individuellen Anforderung.

In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass Anforderungen stark variieren. Während für den einen Kunden ein Cloud-only-Ansatz mit einem globalen Hyperscaler sinnvoll ist, benötigt ein anderer aus regulatorischen, technischen oder organisatorischen Gründen eine On-Premises- oder hybride Lösung. Wieder andere setzen bewusst auf europäische Anbieter, private Clouds oder Mischformen.

netorium berät plattform- und cloudagnostisch – nicht aus Prinzip, sondern weil wir fest davon überzeugt sind, dass jedes Projekt seine Besonderheiten hat und eine individuell auf den Kunden und seinen Bestand zugeschnittene Lösung benötigt, die vom Workflow des operativen Betriebs und des Outputs ausgeht: Anforderungen des Kunden werden in Technologien bzw. Applikationen übersetzt. Die richtige Compute Ressource ergibt sich nach einer eingehenden Analyse, bei der unterschiedliche Parameter berücksichtigt werden, und ist immer nur ein Teil des Ganzen.

Wie bei jeder technologischen Weichenstellung müssen auch bei Infrastruktur- und Cloud-Entscheidungen zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden, unter anderem:

  • Technische Anforderungen: Latenz, Bandbreite, Integration in bestehende Ökosysteme, spezielle Services (AI, Transcoding, QC), Redundanzen

  • Regulatorische Anforderungen: KRITIS, NIS2, DSGVO, digitale Souveränität

  • Kostenstruktur: CapEx vs. OpEx, Skalierungskosten, Total Cost of Ownership

  • Betrieb & Skills: vorhandene Expertise, Managed Services vs. Self-Managed, Support-Anforderungen

  • Zukunftsfähigkeit: Skalierbarkeit, Flexibilität, Lock-in-Risiken

Infrastruktur Entscheidungen lassen sich also nie isoliert treffen. Sie sind immer das Ergebnis eines strukturierten, oft iterativen Beratungsprozesses, bei dem einerseits tiefes Verständnis für die Technologien, andererseits eine profunde Kenntnis der Workflows beim Kunden notwendig sind, um den Kunden in seiner Entscheidungsfindung zu begleiten - von der Analyse über die Bewertung verschiedener Optionen bis hin zur belastbaren Entscheidungsgrundlage.

Häufig geben auch die Anwendungen vor, welche Infrastruktur bzw. welche Cloud geeignet ist. Viele Backend-Services – etwa für AI, Transcoding, Quality Control oder Orchestrierung – sind noch immer cloud- oder anbieterspezifisch. Die Bewertung dieser Abhängigkeiten und die Abwägung in Bezug auf die anderen Parameter sind zwingend notwendig. Nur wenn Risiken und Konsequenzen transparent gemacht werden, kann der Kunde bewusst entscheiden.

Bei all unseren Projekten geht es nie um ein einfaches „Cloud oder nicht Cloud“, sondern immer um differenziertere Fragestellungen:

  • Welche Applikation(en)?

  • Welche regulatorischen, finanziellen usw. Vorgaben?

  • Welche Abhängigkeiten?

  • Welche Anforderungen sind heute relevant – und welche morgen?

  • Welche Cloud? (wenn überhaupt)

  • Und wenn dann Public, Private oder Hybrid?

Je nach Use Case sprechen gute Gründe für einen europäischen Anbieter, etwa im Kontext von DSGVO, digitaler Souveränität oder KRITIS-/NIS2-Anforderungen. In anderen Fällen kann ein US-Hyperscaler die beste Wahl sein. In wieder anderen Szenarien, ist eine Private Cloud die sinnvollste Lösung. Und es gibt Mischformen.

Klar ist, dass Flexibilität zukünftig immer entscheidender werden wird. Sowohl für Hersteller als auch für Betreiber wird die Funktionalität der Anwendung immer relevanter im Entscheidungsprozess werden. Der Ort, an dem sie läuft, wird dabei immer flexibler wählbar werden müssen. Portable Anwendungen und reduzierte Lock-in-Risiken werden an Bedeutung gewinnen.

Unsere Projekterfahrung aus unterschiedlichsten Cloud-Szenarien, bildet die Basis für unsere Beratungskompetenz, bei der wir tiefes Applikationsverständnis mit Infrastruktur-Know-how – auch und gerade in der Cloud verbinden.

Fazit

Auf die Frage „Cloud oder nicht Cloud“ – und „Wenn ja, welche?“ – gibt es keine pauschale Antwort. Die richtige Lösung entsteht immer im Dialog mit dem Kunden, auf Basis seiner Anforderungen, Rahmenbedingungen und Ziele.

Unsere Aufgabe ist es, diesen Prozess kompetent zu begleiten und eine fundierte, differenzierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Damit unsere Kunden die für sie richtige Entscheidung treffen können – heute und mit Blick auf morgen.

Ausblick: Im nächsten Artikel zeigen wir anhand konkreter Beispiele, wie unterschiedlich Cloud-Lösungen im Broadcast-Umfeld aussehen können – und welche Anforderungen zu welchen Architekturen geführt haben.


Broadcast-Workflows brauchen keine Dogmen – sondern Lösungen 

Die Diskussion um Infrastruktur-Entscheidungen wird gern vereinfacht bis polarisierend geführt und läuft nicht selten auf die Frage hinaus: US-Hyperscaler oder europäische Cloud?  

Die Erfahrung im Broadcast Umfeld zeigt uns aber: So einfach ist es nicht. Die Realität ist deutlich vielschichtiger. 

Infrastruktur-Anforderungen in der Media- und Broadcast-Branche sind komplex, individuell und bisweilen sogar widersprüchlich. Sie betreffen technische, regulatorische, wirtschaftliche und organisatorische Ebenen gleichermaßen. Wer hier zu pauschalen Schwarz-Weiß- Antworten greift, verkennt die tatsächlichen Anforderungen moderner Workflows. 

Es gibt keine universell richtige (oder falsche) Strategie. Die richtige Lösung ergibt sich immer aus dem konkreten Use Case und den individuellen Anforderungen. Infrastruktur-Entscheidungen sind das Ergebnis eines strukturierten Analyse- und Beratungsprozesses, der Anforderungen, Rahmenbedingungen und Zielsetzungen zusammenführt. Und genau dieser Prozess führt in der Praxis zu sehr unterschiedlichen Lösungen. 

Wie unterschiedlich– und warum sowohl US-Hyperscaler als auch europäische Anbieter, sowohl Public als auch Private-Cloud-Ansätze und sogar On-Premises ihre klare Berechtigung haben, zeigen folgende Beispiele. 

Beispiel 1: Europäische Cloudlösung für journalistische Workflows 

Projekt: rbb MOJO – Mobile Journalism Platform 

Aufgabenstellung: Die Entwicklung, Implementierung und der Betrieb eines ortsunabhängigen Ingest-Uploaders für Journalisten im Feld, nutzbar über mobile Endgeräte des rbb. 

Anforderungen:

  • Deutliche Steigerung der Produktionsgeschwindigkeit 

  • Teilweise sensible journalistische Inhalte 

  • Erfüllung von KRITIS-Anforderungen 

  • Wahrung von Rechten Dritter 

Lösung: Einsatz eines deutschen Cloudanbieters mit CO₂-neutralem Betrieb. 

Warum diese Wahl sinnvoll war 

  • Technisch: Direkte und nahtlose Anbindung an bestehende Senderinfrastruktur 

  • Regulatorisch: Hohe Anforderungen an Datenschutz, Datensouveränität und Inhalte-Schutz 

  • Kosten: Deployment as a Service, nutzungsabhängig und planbar 

  • Zukunftsfähigkeit: Skalierbare Architektur, die sich flexibel an den Bedarf anpasst 

Ergebnis: 

Nahtlose Integration in das senderseitige Produktionssystem und eine signifikante Steigerung der Aktualität in der Berichterstattung. 

👉 https://www.netorium.de/projects/mobile-journalism-platform 

Beispiel 2: Globale Skalierung mit US-Hyperscaler 

Projekt: ELF – Dezentrale Produktionsplattform 

Aufgabenstellung: Aufbau einer Plattform für globalen Playout-Bedarf und internationale Distribution. 

Anforderungen:

  • Weltweite Verfügbarkeit bei niedrigen Latenzen 

  • Hohe Skalierbarkeit, insbesondere für Live-Events 

  • Nutzung spezifischer Services (z. B. AI-gestützte Content-Analyse, fortgeschrittenes Transcoding) 

  • Keine KRITIS-Anforderungen, keine sensiblen Inhalte 

  • Hoher Kostendruck: Start-up mit begrenztem Budget 

Lösung: Einsatz eines US-Hyperscalers im Rahmen eines Remote Produktionssystems 

Warum diese Wahl sinnvoll war 

  • Technisch: Globale Infrastruktur und ein sehr breites, ausgereiftes medienspezifisches Service-Portfolio 

  • Regulatorisch: Keine Einschränkungen durch sensible Inhalte oder kritische Infrastrukturen 

  • Kosten: Pay-as-you-go-Modell ideal für stark schwankende Lasten; zusätzlich Sponsoring der Plattform im ersten Jahr 

  • Skills: Vorhandene Erfahrung des Teams mit der gewählten Plattform 

Ergebnis: 

Hochskalierbare, extrem flexible Lösung mit internationaler Reichweite, schneller Markteinführung und deutlich reduzierten Kosten. 

👉 https://www.netorium.de/projects/dezentrale-produktionsplattform 

Beispiel 3: Private Cloud für geschlossene Produktionsszenarien 

Projekt: Content Management Lösung – Plattform für internationale Sport-Großveranstaltungen 

Aufgabenstellung: Entwicklung, Implementierung und Betriebsunterstützung einer Plattform für den internen Austausch von Videomaterial während eines zeitlich begrenzten Großevents. 

Anforderungen 

  • Wahrung von Rechten Dritter und Lizenzvorgaben 

  • Upload, Sichtung und Versand von Material auch von unterwegs 

  • Beschleunigung der Produktionsprozesse 

  • Klar definierter Nutzerkreis 

Lösung: Aufbau einer Private Cloud (alternativ auch mit eigener Hardware). 

Warum diese Wahl sinnvoll war 

  • Technisch: Eigene Compute-Ressourcen und zentrales Hosting für einen klar abgegrenzten Nutzerkreis 

  • Regulatorisch: Vollständige Datensouveränität und maximale Kontrolle 

  • Lizenzanforderungen: Sichere Umsetzung spezifischer Rechte- und Nutzungsvorgaben 

  • Kosten: Pilotbetrieb für einen konkreten Anwendungsfall und Weiterverwendung, Open Source Lösung mit kundenspezifischer Anpassung  

  • Sicherheit: Umsetzung durch erfahrenen Dienstleister mit tiefem Bestandswissen 


Ergebnis:

Schnellere Produktionsabläufe und eine reibungslose Integration in bestehende Prozesse – ohne Abhängigkeit von externen Cloud-Ökosystemen. 

Was diese Beispiele zeigen 

Es gibt mehrere „richtige“ Lösungen – abhängig vom Use Case.  

US-Hyperscaler punkten bei globaler Reichweite, Skalierung und umfangreichen Services 

Europäische Anbieter überzeugen bei Compliance, Datenschutz und regionalen Anforderungen 

Private Clouds sind dort sinnvoll, wo Kontrolle, Datensouveränität und geschlossene Nutzerkreise im Vordergrund stehen 

netorium berät deshalb cloudagnostisch - immer ausgehend von den Anforderungen des Kunden. Unsere Stärke liegt darin, die unterschiedlichen Optionen sachlich zu bewerten und die jeweils passende Architektur zu entwerfen, umzusetzen, zu betreiben – sowohl auf dem Applikationslayer als auch auf dem Infrastrukturlayer. Die Basis dafür ist ein tiefes Medientechnologieverständnis, das aus vielen erfolgreichen Projekten entsteht. 

Fazit 

Es gibt im Broadcast-Umfeld keine pauschalen Antworten. Unsere Aufgabe ist es, den individuellen Use Case gemeinsam mit dem Kunden zu analysieren und zu verstehen, um daraus eine tragfähige, zukunftssichere Architektur abzuleiten – applikationsseits sowie infrastrukturseits. 


 

Matthias Letsch

Technischer Leiter

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