25.09.2026
IBC 2026 - Ein Rückblick

KI, MCP und europäische Cloud: 4 Tage IBC im Rückblick
Die Stände sind abgebaut, das Equipment zurück im Lager, das Messeadrenalin verarbeitet und die Füße massiert. Höchste Zeit für einen kurzen, wenn auch späten, Blick zurück auf 4 Tage IBC:
KI ist das neue Cloud
Es ist noch gar nicht lange her, da traf man das Wort „Cloud“ an jedem Stand, in jeder Ecke und begegnete ihm in jeder Präsentation. Inzwischen hat sich der Cast verändert: an jedem Stand und bei jeder Demo spielt jetzt „KI“ die Hauptrolle.
Als vor zwei, drei Jahren die ersten ernstzunehmenden KI-Lösungen für Broadcast und Postproduktion auf den Markt kamen, wurde vor allem gestaunt – und auch heute staunt man ehrlicherweise an der einen oder anderen Stelle immer noch. Immer schneller stellt sich aber dann die Frage nach der Rentabilität, den Einsatzmöglichkeiten und nicht zuletzt der Verlässlichkeit und Sicherheit: Welche Lösung lässt sich technisch sauber in bestehende Workflows einbinden? Welche rechnet sich wirtschaftlich? Was davon ist nachhaltig und belastbar genug, um längerfristig eingesetzt werden zu können?
Auffallend waren die vielen neuen Hersteller, deren Produkte Breitentauglichkeit zeigen für Technologien, die bis vor Kurzem noch als „völlig abgefahren“ galten. Das bringt einerseits frischen Wind und neue Chancen in den Markt. Es heißt aber natürlich auch, dass wir alle sehr genau hinschauen müssen. Machbarkeiten und Risiken müssen bewertet, Trends und Entwicklungen eingeschätzt werden. Dafür braucht es viel Know-How.
Anwendungen öffnen sich
Ein weiteres, extrem wichtiges Buzzword, das durch die Hallen von Amsterdam flirrte, war „MCP“. Quer durch alle Produktkategorien, vom Newsroom über das Media Asset Management bis zum Transcoding, statten Hersteller ihre Anwendungen mit MCP-Schnittstellen aus (Model Context Protocol). So können KI-Agenten direkt mit den Systemen arbeiten, Funktionen aufrufen und Abläufe über Systemgrenzen hinweg steuern.
Anwendungen werden damit so offen und so einfach zugänglich, wie es mit klassischen APIs nie möglich war. Integrationen, die bis vor Kurzem noch Wochen an Entwicklungsarbeit gebraucht haben, sind heute viel schneller umsetzbar.
Dazu kommt ein zweiter Effekt. Weil KI inzwischen auch die Softwareentwicklung selbst beschleunigt, entwickeln sich viele Produkte spürbar schneller weiter. Ein Kollege hat es so zusammengefasst: Es gibt wieder echte „Aha-Momente“. Die gab es – zumindest gefühlt - lange nicht.
Neugier und Unsicherheit
Die Herausforderung ist, sich einerseits nicht überrollen zu lassen, andererseits aber auch nicht den Zug zu verpassen. Die Möglichkeiten wachsen schneller, als viele Anwender sie in ihren Alltag übernehmen können. KI-Werkzeuge scheinen alles möglich, greifbar und umsetzbar zu machen. Die Frage ist oft gar nicht mehr, OB etwas geht, sondern vielmehr, wo man anfängt und wo man aufhört.
In den vielen guten und intensiven Gesprächen am Stand wurde deutlich: Die Neugier ist groß, oft aber auch die Unsicherheit. Mit welchem Use Case lohnt es sich anzufangen? Wie integriere ich das neue Werkzeug, ohne die bestehende Infrastruktur zu gefährden? Wer kümmert sich, wenn sich das Produkt in drei Monaten schon wieder grundlegend verändert hat?
Aus unserer Sicht liegt hier eine enorm wichtige Aufgabe vor uns, unseren Kunden und unseren Partnern. Es gilt, die richtigen Tools zu finden und dabei Einsatzmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und Risiken im Blick zu behalten.
Die Cloud ist selbstverständlicher Nebendarsteller
Auch wenn KI auf der IBC die Overall „Hauptrolle“ gespielt hat: Das Thema Cloud ist immer noch da, als unverzichtbarer Nebendarsteller. OB man eine Produktion in die Cloud verlagern kann, fragt keiner mehr. Es geht vor allem darum einzuschätzen, in welchen konkreten Anwendungsfeldern sich mit Cloud-, Hybrid- oder Remote-Konzepten echte wirtschaftliche Vorteile heben lassen – verglichen mit den Hardware- und Personalkosten klassischer Produktions- und Übertragungswege. Beispiele aus der Praxis und der ehrliche Erfahrungsaustausch unter Anwendern und Integratoren waren extrem gefragt.
Auffällig dabei: Das Interesse an europäischen Cloud-Angeboten ist deutlich gewachsen. Unsere Partnerschaft mit Stackit bzw. Schwarz Digits bspw. kam bei Kunden und auch bei Herstellern auf der Messe durchweg positiv an. Für uns der klare Auftrag, immer weiter nach Trends zu scouten und Ansätze zu suchen, die die Anforderungen unserer Kunden bestmöglich erfüllen können.

Was sonst noch?
Die Besucherzahlen lagen unter denen vom letzten Jahr. Ein möglicher Grund: Der Markt konsolidiert sich weiter. Unternehmen schließen sich zusammen, Produkte werden übernommen und umbenannt, bekannte Gesichter tragen neue Firmenlogos.
Langweilig war es trotzdem zu keinem Zeitpunkt. Es kam immer jemand vorbei, der dankbar Platz auf einem der Sofas genommen hat – sofern noch Platz war…
Der direkte Austausch mit Kunden und Partnern ist und bleibt einer der wichtigsten Gründe für uns, auf der IBC zu sein. So viel intensiver Austausch in so komprimierter Form und so kurzer Zeit ist durch kein Datenblatt und keinen Fragebogen zu ersetzen.
Wir durften diesmal viel über konkrete Projekte sprechen, viele der Gespräche waren entsprechend fokussiert und praxisnah. Für uns auch ein Hinweis auf den sich verändernden Markt, der an Fahrt zurückgewinnt.
Was wir mitnehmen
KI und die neuen offenen Schnittstellen verändern, wie Lösungen entstehen, und damit auch, was Kunden von uns und den Herstellern einfordern.
Cloud ist keine Frage des „Ob“ oder „Wie“ mehr. Es geht um die „passende“ Lösung im Einzelfall. Bei der Suche nach dieser Lösung, genauso wie beim Einsatz von KI Tools, braucht es jemanden, der den Markt einordnen kann und der sich im stetigen Austausch mit allen Stakeholdern befindet.
Und auf genau den freuen wir uns in den kommenden Wochen. Nächste Woche zum Beispiel beim #NETsWERKen2026 Teil 2 in Stuttgart zum Thema „KI in Anwendung in der Medienpraxis“ in Kooperation mit der FKTG Regionalgruppe Stuttgart und danach bei den vielen anderen Gelegenheiten, die die Branche uns zum Glück immer wieder gibt oder natürlich bei einem individuellen Gespräch, für das wir uns immer gern die Zeit nehmen.

























